Das Rebhuhnschutzprojekt in Göttingen

Die Zahl der Vögel in unserer Landschaft nimmt drastisch ab. Es betrifft gerade die Arten, die uns täglich umgeben: Feldlerche, Hänfling, Goldammer, Star und viele weitere Arten haben europaweit seit 1980 deutlich über die Hälfte ihres Bestandes verloren. Besonders schlimm hat es das Rebhuhn getroffen, dessen Bestand um 93% eingebrochen ist. Dieser Trend setzt sich fort: Niedersachsen hat innerhalb der letzten Jahre abermals die Hälfte seines Rebhuhnbestandes verloren. Die Ursachen sind die Intensivierung der Landwirtschaft, insbesondere der Verlust von Insekten auf den Feldern durch den Einsatz von Pestiziden, der Verlust von unbewirtschafteten Strukturen in der Landschaft, Vergrößerung der Felder durch die Flurbereinigungen und höhere Dichten von Räubern, wie z.B. vom Fuchs.

Im Landkreis Göttingen versucht das Rebhuhnschutzprojekt (durchgeführt von der Biologischen Schutzgemeinschaft Göttingen e.V. und der Abteilung Naturschutzbiologie der Universität Göttingen) seit 2004 den negativen Bestandstrend durch Lebensraumaufwertungen zu stoppen. Die Agrarumweltmaßnahme „Blühstreifen“ wurde modifiziert, so dass sie den Bedürfnissen der Rebhühner entspricht. Jedes Jahr wird nur die Hälfte eines jeden Blühstreifens neu bestellt, die andere Hälfte bleibt unberührt. Das führt zu einem Nebeneinander von vorjähriger und diesjähriger Vegetation, ideal für die Nestanlage (im vorjährigen Teil) und zum Kükenführen (im einjährigen Teil des Blühstreifens). Landwirte haben im Landkreis (über die Jahre mit wechselnden Flächenzahlen) über 1.000 solcher Blühstreifen angelegt, die ein Netzwerk von wichtigen Lebensraumelementen bieten , nicht nur für Rebhühner.

In einer aufwändigen Telemetriestudie wurden die Lebensläufe von 139 Rebhühnern bis zu ihrem Tod verfolgt. Diese Studie zeigt, dass Blühstreifen zu einem der wichtigsten Brutplätze geworden sind. Auf 90 km² führtdie Abteilung Naturschutzbiologie alljährlich eine große Rebhuhnzählung mit Klangattrappen durch. Die Blühstreifen haben lokal zu einem deutlichen Anstieg der Rebhuhnzahlen geführt, landkreisweit konnten wir immerhin einen stabilen Bestand erreichen. Die rebhuhngerechten Blühstreifen werden aufgrund unserer Projektergebnisse nun landesweit als die Agrarumweltmaßnahme „strukturreicher Blühstreifen“ vom Landwirtschaftsministerium angeboten (Prämien bis 975 € pro Hektar und Jahr), so dass sich jeder Landwirt in Niedersachsen am Rebhuhnschutz beteiligen kann.

Ergebnisse aus dem Projekt sind auch in einem Film von Andreas Winkler dargestellt. Näheres erfahren Sie unter: www.rebhuhnschutzprojekt.de